Es kommt immer mehr in Mode sein elftes Schuljahr im Ausland zu verbringen,
vor allem in Amerika. Und mal ehrlich, hier trödelt man sowieso
nur rum. Das elfte Schuljahr kann man sich ohne Probleme sparen. Das
habe ich mir auch gedacht und habe mich auf den Weg in die USA gemacht.
Wahrscheinlich hab ich die negativste Erlebnisse gemacht, die bei einem
solchen Austausch nur denkbar sind, aber ich kann es jedem nur empfehlen.
Damit alles möglichst glatt verläuft habe ich versucht meine
Erfahrung in ein paar kurze und prägnante Tipps mit Q&A zu
fassen.
Wie komme ich dahin?
" Privat ist am besten. Wenn man jemanden kennt, oder wenn ein
Mitschüler der schon da war eine Familie empfehlen kann, dann sollte
man auf jeden Fall so verfahren. Die Schule kann man auch am besten
privat ansprechen. Die offizielle Seite muß aber wieder von einer
Sprach-Reisen-Organisation, die sich in diesem Fall aus allem raushalten
soll, gemach werden, sprich Visum etc.
" Man geht direkt zu einer solchen Sprach-Reisen-Organisation und
meldet sich für ein Austauschjahr an, d.h. nicht, daß Amerikaner
hier nach Deutschland kommen. Man bezahlt an die DM10.000 für ein
Jahr. Davon ist meistens die Flugreise gedeckt, die Versicherung und
sonst nichts. Es gibt eigentlich auch nichts, was eine so hohe Summe
rechtfertigt. Denn die Leistungen die eine solche Organisation erbringt
sind mehr als mies. Wer auf seine Organisation (Org) angewiesen ist
um sich in den USA zurechtzufinden, macht da etwas falsch und hat quasi
von Anfang an verloren.
Wo komme ich hin?
" Weiß ich nicht. Aber um das Risiko einen Scheißplatz
zu bekommen möglichst gering zu halten, solltest du auf folgendes
achten:
" Du wirst einen Fragebogen für deine Org ausfüllen müssen,
wo auch einige Fragen zur Familie und zum Wohnsitz gestellt werden.
Eine Frage wird in etwa lauten, ob du einverstanden bist bei einer Familie
zu wohnen, deren Einkommen geringer ist als das deiner. Beantworte diese
Frage mit "Nein" und laß dich nicht davon abbringen.
Die Org wird möglicherweise bei dir anrufen und dir sagen, daß
du das zurücknehmen sollst. Tu es nicht, bleib hart. Denke immer
daran: Du gibst das Geld, sie die Dienstleistung.
" Eine andere Frage wird sich auf den Wohnsitz beziehen. Du sollst
deinen Wunschwohnort eine Priorität zuweisen, also sagen wo du
lieber wohnen möchtest, im Kaff oder in einer Stadt. Hierbei ist
auch wieder deine Stärke gefragt. Kreuze nur einen Wohnsitz in
der größtmöglichen Stadt an. Alles andere streich durch,
verteile keine Prioritäten. Ganz bestimmt wird sich die Org. auch
wieder darüber beschweren, und wiederum mußt du hart bleiben.
Nicht nachgeben. Denke immer daran: Du gibst das Geld, sie die Dienstleistung.
Wenn du nachgibst kommst du in eine Stadt mit 2000-3000 Einwohnern,
kein Scherz. Und nichts ist schlimmer als die amerikanische Provinz.
" Letzte Sache: Dein Wunschstaat. Ein Geheimtipp und für mich
der beste Staat der ganzen USA ist Colorado. Es ist warm und kalt, 330
Tage pure Sonnen ohne die kleinste Wolke, keine fette Menschen, Sport
wohin man nur guckt und wunderschöne Landschaften. Es gibt aber
auch hier Staaten, von denen man die Hände lassen sollte, falls
man nicht lebensmüde ist. z.B. wären da, an oberster Stelle
Wyoming. Dann die anderen etwas nördlicheren Staaten, wie Montana,
Idaho, North Dakota. Auch wenn ihr Ski fahren wollt, es gibt keine besseren
Pisten in ganz USA als in Colorado. Vergessen könnt ihr ebenfalls
Utah, nur Mormonen da. Wyoming ist so groß wie Deutschland und
hat 680.000 Einwohner. Cheyenne, die Hauptstadt hat 45.000 Einwohner.
Das einzige was man dort macht ist eigentlich nur kiffen und rumbalern.
Das macht kein Spaß, überhaupt nicht. Man sollte sich ebenfalls
vor West Virginia hüten. Ich sag nur 27% Arbeitslosigkeit, 4% USA
Durchschnitt. Die Orgs haben zwar auch recht, daß es nicht immer
Californien oder NY sein kann, aber laßt die nicht ihr Spiel mit
dir durchziehen. Denke immer daran: Du gibst das Geld, sie die Dienstleistung.
Du kannst zwar nicht den Staat bestimmen, aber du solltest sagen wo
du nicht hinmöchtest.
" Deine Interessen wirken sich auf deine Platzierung aus. So wird
jemand, der angibt Pferde zu mögen, sofort und grundsätzlich
nach Montana geschickt. Jemand der allerdings schwimmen als Hobby angibt,
wird nicht unbedingt nach Californien kommen. Sei sparsam mit deinen
Äußerungen über dein Privatleben und unterstreiche soviel
wie möglich, daß du Kontakt zu vielen Menschen brauchst.
Sonst wirst du wirklich ins letzte Kaff geschickt, den das bedeute die
wenigste Arbeit für die Org. Wo nichts ist, kannst du nichts anstellen.
Was soll ich mitnehmen?
" Tasche packen: Nimm nicht allzuviel mit. Es bietet sich an erstmal
zu schauen, wie sich die Leute dort kleiden, und dort Klamotten zu kaufen.
Du wirst es sowieso tun, so sparst du dir Gepäck mit.
" Bring deiner Gastfamilie ein kleines Präsent mit, irgendwas
typisch deutsches/bayerisches.
" Sobald du in das amerikanische Flugzeug steigst, sollte von nun
an einer der wichtigsten Sätze im amerikanischen immer und überall
auf deiner Zunge sein: I'll sue you! Ein Amerikaner fürchtet sich
mehr vor einer Klage als vor einer AK 47. Das hat mir ein Amerikaner
im Flugzeug von Frankfurt nach Chicago erzählt. Als ich mit meinem
Gepäck in Chicago durch den Zoll marschiert bin und zu meinem Anschlußflug
wollte, meinte eine Mitarbeiterin von United mein Gepäck wiegen
zu müssen. Ich hatte zwei Kilo Übergepäck und sollte
dafür 50$ zahlen. Ich habe ihr gesagt, daß der Check-in von
Lufthansa gemacht wurde, und daß dieser auch für United gilt
etc. etc., doch sie wollte es nicht einsehen. Da habe ich den magischen
Satz gesagt "I'll sue you! " und schon ging sie zu ihrem Vorgesetzten
und holte ihn herbei. Dieser wog meine Taschen mit der Hand und meinte
alles sei okay und ich konnte weiter.
" R-Gespräche heißen auf US-English Collect Calls.
" Telefonkarten in Amerika funktionieren anders als hierzulande.
Mann muß eine Nummer auf ihnen freirubbeln, dann dort anrufen,
noch ein pin-feld freirubbeln und diesen eingeben. Erst dann kann man
telefonieren.